Grigori Dor in der Ausstellung I AMsterdam You BErlin

Grigori DorI AMsterdam YOU BErlin / Contemporary art from Amsterdam and Berlin – „BEYOND“ selected by Tina Sauerländer  28. April – 1. Mai 2016 (Gallery Weekend Berlin) in der St. Johannes Evangelist-Kirche, Auguststraße 90, 10117 Berlin www.iamsterdamyouberlin.com

Ausstellung „BEYOND“

Selected by Tina Sauerländer
organisiert von I Amsterdam You Berlin | Contemporary art from Amsterdam and Berlin

Veranstaltungsort: St. Johannes Evangelist Kirche, Auguststraße 90, 10117 Berlin

Öffnungszeiten: Freitag, 29. April, 12 – 22 Uhr , Samstag, 30. April, 12 – 20, Sonntag, 1. Mai von 12 – 19 Uhr

Eröffnung: Donnerstag, 28. April 2016, 19 – 22 Uhr

Pressevorbesichtigung: Donnerstag, den 28. April ab 16 Uhr

teilnehmende Galerien:

AMSTERDAM: Galerie A d K Actuele Kunst, Galerie Bart, Rutger Brandt Gallery, TORCH Gallery, Livingstone Gallery, Galerie Wit

BERLIN: janinebeangallery, Galerie Inga Kondeyne – Raum für Zeichnung, lorch+seidel contemporary, Petra Rietz Salon Galerie, Galerie Carsten Seifert, Wichtendahl Galerie

teilnehmende Künstler:

AMSTERDAM: Cian-Yu Bai (Galerie A d K Actuele Kunst), Anne Forest (Galerie Bart), Luca Grimaldi (Rutger Brandt Gallery), Line Gulsett (TORCH Gallery), Raquel Maulwurf (Livingstone Gallery), herman de vries (Galerie Wit)

BERLIN: Grigori Dor (janinebeangallery), Johannes Regin (Galerie Inga Kondeyne – Raum für Zeichnung), Silvia Levenson (lorch+seidel contemporary), Madeleine Altmann und Eva Schwab (Petra Rietz Salon Galerie), Jörg Klaus (Galerie Carsten Seifert), Nicole Ahland (Wichtendahl Galerie)

Ausstellungstext BEYOND

Das deutsch-niederländische Galerienetzwerk I AMsterdam YOU BErlin präsentiert mit der Gruppenausstellung BEYOND zum vierten Mal einen konzentrierten Einblick in die lebhafte zeitgenössische Kunstszene zweier Städte mit langer künstlerischer Tradition. Zum Berliner Gallery Weekend stellen Galerien aus Amsterdam und Berlin gemeinsam aus. Aus dem Programm der beteiligten Partner wählte die Berliner Kuratorin Tina Sauerländer jeweils einen Künstler aus, der sich in einer umfassenden Einzelpräsentation dem Thema der Ausstellung BEYOND (dt. jenseits) widmet. Im sakralen Raum der St. Johannes-Evangelist-Kirche in Berlin-Mitte präsentiert die Ausstellung BEYOND zeitgenössische Kunst, die sich mit den unterschiedlichen Aspekten des Leitgedankens auseinandersetzt, der nicht nur in verschiedenen Kulturen und Religionen existiert, sondern auch eng mit dem individuellen Dasein und persönlicher Erfahrung verknüpft ist.

BEYOND: IN EINE ANDERE WELT

Der Begriff Jenseits evoziert eine andere Welt hinter einer Grenze oder Schwelle – ein unbekanntes Fantasieland, eine andere Wirklichkeit oder ein Paradies. Die Bedeutungen und Assoziationen sind vielfältig, jedoch ist ein Jenseits immer etwas Abwesendes, das man sich vom Diesseits aus vorstellt oder bereits erblicken kann.

Die oft monumentalen, schwarz-weißen Kohle- und Kreidezeichnungen der Künstlerin Raquel Maulwurf (Livingstone Gallery, Den Haag) legen Ausblicke auf das Meer, tief in den Wald hineinführende Wege oder in den Kosmos frei. Sie evozieren die Frage nach einer Welt hinter einem angedeuteten Horizont. Die Lichträume in den Fotografien von Nicole Ahland (Wichtendahl Galerie, Berlin) zeigen sich auflösende Raumgrenzen und den Blick in intensives Licht. Die helle Leere lässt an die Schwelle des Übertritts in eine andere Welt denken. Der in der Wirklichkeit liegende Ausgangspunkt der Gemälde von Cian-Yu Bai (Galerie AdK Actuele Kunst, Amsterdam) verwandelt sich in andersartige, märchenhaft-abstrakte Bildwelten. Die in Bewegung begriffenen jungen Mädchen auf den Gemälden von Line Gulsett (Torch Gallery, Amsterdam) wirken in ihrer verschwommenen und aufgelösten Gestalt geisterhaft und losgelöst von der sie umgebenden, realen Welt. Die Arbeit How long do butterflies live? von Silvia Levenson (lorch+seidel contemporary, Berlin), eine Wandinstallation aus Glaskacheln, spielt auf die Zerbrechlichkeit, Ungewissheit und Endlichkeit unseres Lebens an.

BEYOND: ÜBER VERÄNGLICHKEIT

Darstellungen der Vanitas, der Nichtigkeit und Endlichkeit des Daseins, sind auch in der zeitgenössischen Kunst ein relevantes und beständiges Thema. Künstler greifen klassische Motive wie Blumen, Spiegel, Masken und Kerzen auf oder widmen sich der Vergänglichkeit der Natur oder des Alltäglichen. Formal bildet das abstrakte, mittelpunktlose All-over mit seinem Hinweis auf eine unendliche Ausdehnung eine bedeutsame, disparate Referenz zur Endlichkeit des Daseins.

Der Künstler Grigori Dor (janinebeangallery, Berlin) kreiert in altmeisterlicher Manier Stillleben im schwarzen Raum mit schwebenden Blüten, maskenartigen Gesichtern, Flügeln oder Tierskeletten, die sich zu einer ausgewogenen Anordnung zusammen finden und in der Tiefe zu versinken scheinen. Das Äußere des Lebensschrankes von Eva Schwab (Petra Rietz Salon Galerie, Berlin) entspricht einem alten Bauernschrank mit mittelalterlich anmutenden, an Christus und Madonna erinnernden Bemalungen. Im Inneren offenbart er eine wirbelsäulenartige Wendeltreppe im verspiegelten Raum, der den Betrachter auf sich selbst zurückwirft. Den abgeriebenen Erden, geordneten Blättern oder eingerahmten Ähren von Herman de Vries (Galerie Wit, Wageningen) wohnt eine Leichtigkeit inne, die der Vergänglichkeit jede Schwere nimmt und zugleich die Vielfalt und Schönheit des Lebens anpreist. Luca Grimaldi (Rutger Brandt Gallery, Amsterdam) präsentiert in seinen Gemälden menschliche Errungenschaften wie Geldautomaten, Magazinregale oder mit Bierflaschen gefüllte Kühlregale in Berliner Spätis, die die Vergänglichkeit des alltäglichen Daseins offenlegen. In ihren Videoarbeiten kreiert Madeleine Altman (Petra Rietz Salon Galerie, Berlin) Eindrücke des natürlichen, jahreszeitlichen Lebenszyklus. In Black Ice gleitet ihre Kamera über die brüchig-fragile Eisschicht des tiefschwarzen Flusses hinweg. Die All-over-Raster der Zeichnungen, Stechungen oder Stanzungen von Johannes Regin (Galerie Inga Kondeyne, Berlin) zeigen eine von Menschenhand geschaffene, geordnete Struktur, die mittelpunktlos als Gegenbild zur Endlichkeit auf die unendliche Fortsetzung über den Bildrand hinaus verweist.

BEYOND: IKONENHAFTE PORTRÄTS

Als porträthafte Abbilder von Heiligen dienten Ikonen als Mittel der Kommunikation mit dem Göttlichen und somit als Verbindung in eine andere Welt. Zeitgenössische Künstler schaffen in ihren Arbeiten Reinterpretationen (christlicher) Ikonografien und entrücken klassische, realitätsnahe Porträts.

Die geheimnisvollen Porträts von Menschen und Tieren der Künstlerin Anne Forest (Galerie Bart, Amsterdam) strahlen in ihrer naiven und klaren Formensprache eine ikonenhafte Ruhe aus. Auf Teppich gemalt, bestimmt das Trägermaterial ihre haptische Oberflächenstruktur. Die pastellartigen und oft erdtonigen, fotografischen Porträts vor monochromem Hintergrund des Künstlers Jörg Klaus (Galerie Carsten Seifert, Berlin) offenbaren einen Blick auf unterschiedliche menschliche Charaktere, die mal entrückt, mal sehr präsent erscheinen.

Das Galerienetzwerk I AMsterdam YOU BErlin fördert neue Formen der Zusammenarbeit von kommerziellen und gemeinnützigen Akteuren, interkulturellen Austausch und neue Präsentationsweisen und Vermittlungswege zeitgenössischer Kunst. Das Projekt und die Ausstellungsreihe zum Berliner Gallery Weekend entstand auf Initiative der Galerie Bart Amsterdam und wird von allen beteiligten Galerien gemeinsam organisiert. Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Berliner Kultur Büro Elisabeth statt. Der Eintritt ist frei.
Mit freundlicher Unterstützung des Königreichs der Niederlande.

Text von Tina Sauerländer