Kreaturen

Die Bilder, Plastiken und Videoinstallation von Kerstin Grimm, Tanja Selzer, Sabine Wenzel und Sevrina Giard zeigen Kreaturen als Wesen aus anderen Sphären: Götter und Dämonen, Tiere und Bestien – aggressiv, launisch, komisch und bemitleidenswert in Szene gesetzt, sind sie motivbestimmend.

Der Spannungsbogen der Ausstellung ergibt sich nahezu von selbst: Die fotografisch anmutenden Gemälde von Tanja Selzer setzen den Gegenpol zu den malerischen Fotografien von Sabine Wenzel. Kerstin Grimms surreale Plastiken und das Video von Sevrina Giard ergänzen das Gedankenfeld.

Tanja Selzer schöpft aus der alltäglichen medialen Flut Bilder als Versatzstücke von menschlichen Szenerien, Gestalten in oft furiosen Naturschauspielen oder auch vereinzelte

Menschen sowie Tiere vor und in einem Naturhintergrund. Diese Bilder verändert sie durch Komposition, Farbverschiebung und die Leichtigkeit des malerischen Auftrags zu intensiven Ausdrücken einer durchsichtigen Wirklichkeit.

Die wechselnde Darstellung von Tieren und Menschen oder auch ihr Interagieren ist dabei Ausdruck ihrer spiegelsymmetrischen Anima. Dies inszeniert Selzer ohne psychologische

Abstraktion, sondern mit der genuinen Intensität eines direkten Drahts zum Ursprung von Fabel und Naturell.

Die für ihre experimentelle Bildsprache bekannte Berliner Fotografin Sabine Wenzel zeigt gefiederte Kreaturen. Aus der Serie „Sieben Geschichten über den Wind“ werden Bilder von Möwen ausgestellt. Es sind Momentaufnahmen von Formationen weißer Gefieder auf hellem Grund; rote Schnäbel und gefächerte Schwingen exponieren in einem undefinierten Raum.

Das Gegenstück dazu bildet die 2012 entstandene Serie „Nachtvögel“. Grobkörnig bei Dunkelheit fotografiert, zeichnen sich die Umrisse von Krähen vor dem Restlicht eines Nachthimmels ab. Mit leuchtend hervorstechenden Augen hocken sie auf Baumkronen als schwarze, intelligente Begleiter der Nacht.

Die Bronzeplastiken von Kerstin Grimm gehören zu ihrer Serie „Stunde der Dämonen“. Diese „Dämonen“ sind in Wachs modelliert und mit disparaten Versatzstücken kombiniert (mit Puppenteilen, Pflanzenfragmenten, diversen Materialien); so entwickeln sie ihre schlüssige Erscheinung als Mischwesen und Grenzgänger: anheimelnd vertraut und furchtbar fremd.

Die Ausstellung „KREATUREN“ zeigt außerdem Werke der Serie „Die große Flußfahrt“, eine Gruppe von kleinen Bronze-Skulpturen, die auf langen dünnen Eisenstäben in Augenhöhe stehen. Tiere, Menschen und Zwitterwesen bevölkern die „Boote“, von denen jedes ein sich selbst genügender Kosmos ist.

Sevrina Giard taucht mit ihrem Filmzyklus „Ajo Laru“ in eine poetische, rätselhafte Makrowelt ein. Der Betrachter geht auf eine Reise durch ein Kaleidoskop von bizarren, faszinierenden, teils irritierenden und verstörenden Innenwelten, die er jedoch, trotz der realen und scheinbar objektiven Anmutung der Bilder, oft nicht einordnen kann .In diesem mehrdeutigen Makrokosmos werden Geschichten erzählt, seltsam anmutende Vorgänge dokumentiert oder einfach nur die Schönheit von Detailaufnahmen fragiler Kreaturen gezeigt.