Lori Field

Enkaustik:

Die Enkaustik ist eine künstlerische Maltechnik, bei der in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Maluntergrund aufgetragen werden. Die Technik hat eine deutlich längere Tradition als die der Ölmalerei. Sie erlebte ihre Blütezeit in der Kunst der griechisch-römischen Antike. In der Vorstellung der Künstler wurden die eigenen materialisierten Gedanken mit Feuer unvergänglich auf der Malfläche eingebrannt.

Auch das Wort Enkaustik wird bereits seit mehr als zweieinhalb Jahrtausenden verwendet und leitet sich von dem griechischen Wort enkauston, “eingebrannt”, ab, dieses wiederum von enkaio, “einbrennen”.

Während heute elektrisch geheizte Malgeräte verwendet werden, wurden in der griechischen Antike entweder kalte Farben mit heißen Spachteln, den über glühenden Kohlenbecken erhitzten „cauteria“, aufgetragen und anschließend durch Hitzeeinstrahlung (durch glühendes Eisen) eingebrannt oder heißflüssig auf Stein, Holz oder Elfenbein aufgebracht. Als Wachse wurden geschmolzenes Bienenwachs mit oder ohne Zusatz von trocknendem Öl (Nussöl) verwendet, die Farbpigmente wurden zumeist importiert aus Ägypten und dem Sudan.

Die Enkaustik war in ihrer Handhabung für die damaligen Künstler eine sehr aufwendige Technik, jedoch ermöglichte gerade sie die Blüte der antiken griechischen Malerei. In der Spätantike wurde sie von anderen Maltechniken abgelöst und geriet etwa im 6. Jahrhundert n. Chr. in Vergessenheit. Erhalten geblieben sind die berühmten ägyptischen Mumienporträts, die noch heute eine einmalige Leuchtkraft und Frische zeigen. Auch einige wenige sehr alte christliche Ikonen in Enkaustik-Technik sind erhalten geblieben, beispielsweise im Katharinenkloster auf dem Sinai oder die Maria Advocata in Rom. Die meisten enkaustisch gemalten Ikonen dagegen fielen dem Bilderstreit zum Opfer. In späterer Zeit wurde für Ikonen Eitempera statt Enkaustik verwendet. Hervorragende Zeugnisse der Enkaustik sind die berühmten ägyptischen Mumienporträts im Britischen Museum in London und dem Ägyptischen Museum in Kairo, Wandmalereien in Pompeji und in der Neuen Pinakothek in München. Selbst an der Trajanssäule in Rom wurden Spuren von Enkaustik entdeckt.

Erst das wieder aufgeflammte Interesse der frühen Neuzeit an antiker Kunst und antiken Kulturen weckte die Aufmerksamkeit der Künstler und Forscher für diese lang vergessene Maltechnik. Da die Ölbilder der alten Meister unweigerlich durch Abdunkeln und Schwundrisse verloren zu gehen drohen, war man geradezu fasziniert von der Langlebigkeit der Enkaustik-Gemälde. Zahlreiche Forscher versuchten, aus den wenigen erhaltenen literarischen Quellen das Geheimnis der Wachstechnik zu lüften. Heftige Meinungsverschiedenheiten entstanden – dabei rankten sich die Diskussionen um das legendäre Punische Wachs, welches jedoch nicht zwingend das Bindemittel der antiken Enkaustik gewesen sein muss. Letztendlich wird die Enkaustik-Kunst nie mehr richtig erforscht werden können, zu sehr ist sie im Dunkel der Vergangenheit verschwunden. Geheimnisvoll klingt die alte Rezeptur, nach der das sagenumwobene Wachs im Meerwasser gekocht wurde und anschließend der Einwirkung von Sonne und Mond ausgesetzt. Durch das Auskochen des Bienenwachses in Salzwasser wird das Wachs von nahezu allen im natürlichen Bienenwachs enthaltenen Verunreinigungen befreit, wodurch es zum einen härter, aber auch spröder wird. Dieser Entzug nicht wachsener Bestandteile bewirkt zum anderen ein Bleichen des Wachses.

Lori Field

Silberstift Zeichnungen:

Ein Silberstift ist ein Zeichenstift ähnlich dem Bleistift aus Silber. Im 15. Jahrhundert war die Blütezeit der Silberstiftzeichnung. Aber auch heute wird der Silberstift von Künstlern benutzt. In den meisten Fällen wurde der Silberstift durch den Bleistift ersetzt.

Geschichte

Er ist bereits unter den Metallstiften in der römischen Antike bekannt und war das ganze Mittelalter hindurch verbreitetes Zeichenmittel. Cennino Cennini erwähnt um 1400 den Silberstift in seinen Malanleitungen. Der Stift entwickelt sich mit der ausgehenden Gotik und dem Beginn der Frührenaissance zu dem eigentlichen Mittel der autonomen Zeichnung, d. h. die Zeichnung wird selbst zum Kunstwerk und ist nicht mehr Hilfsmittel und Vorstufe zum eigentlichen Werk. Ihren Höhepunkt erlebt die Technik in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Jan van Eyck, Leonardo da Vinci, Hans Holbein, Albrecht Dürer, Hans Baldung und andere haben den Silberstift häufig verwendet. Nach 1500 kommt er mehr und mehr außer Gebrauch, was wohl mit dem Wandel im Stilwollen des 16. Jahrhunderts zusammen hängt. Es tauchen nur noch vereinzelt Werke in dieser Technik auf. Das 19. Jahrhundert entdeckt den Stift im Zuge der Romantik wieder neu und verwendet ihn vorrangig für Bildnisse. Im 20. Jahrhundert regte Joseph Meder 1909 mit dem Büchlein vom Silbersteft die Künstler wieder dazu an, sich mit dem Silberstift zu beschäftigen. Beispiele dafür sind Otto Dix und Franz Lenk.

Verfahren

Der Stift selbst ist leicht abgerundet, damit er die Zeichenunterlage nicht zerkratzt. Der Untergrund muss leicht rau sein, damit sich das Silber vom Stift abreibt. Trotzdem sind nur dünne hellgraue Linien möglich. Im Laufe der Zeit dunkeln diese zu einem bräunlichen Farbton durch Bildung von Silbersulfid nach. Silbersulfid ist eigentlich schwarz, sieht aber bei der geringen Menge eher bräunlich aus. Dieses Nachdunkeln wird durch einen schwefelhaltigen Zeichengrund unterstützt.

Als Zeichenunterlage wurde mit Bims angerauhtes Pergament oder beschichtetes Papier verwendet. Die Beschichtung bestand dabei aus Tierknochen, Gips, Kreide und Leimwasser, auch Eidotter wurde zugesetzt. Gips und Eidotter enthalten Schwefel, der für eine bessere und schnellere Dunkelfärbung sorgt als dies nur an Luft möglich wäre. Heute wird als Untergrund ein Anstrich mit Lithopone empfohlen, hier bringt das in der Lithopone enthaltene Zinksulfid den Schwefel mit.

Zeichentechnik

Mit dem Silberstift können nur dünne, zarte Linien gezeichnet werden. Eine Flächenfüllung ist nur durch Schraffuren möglich, also ähnlich wie bei Kupferstichen oder Radierungen. Ein einmal gesetzter Strich lässt sich nicht mit einem Radiergummi entfernen. Dazu muss der Streichgrund abgekratzt werden, was aber sichtbar bleibt, oder mit neuem Streichgrund übermalt werden.