Einzelausstellung
28. August – 17. Oktober 2026
Berlin Art Week Öffnungszeiten: 11.9. 12 – 20 / 12.9. 12 – 20 / 13.9. 12 – 18
Vernissage am 28. August, 18 – 20 Uhr
Die Einzelausstellung Andrea Damp GLIMMER in der janinebeangallery Berlin bringt großformatige Gemälde aus den Jahren 2015 bis 2017 mit neuen Arbeiten von 2026 in einen Dialog. Rund zehn Jahre liegen zwischen den beiden Werkgruppen. Dennoch erzählt die Ausstellung keine lineare Entwicklung vom früheren zum vermeintlich vollendeteren Bild. Vielmehr zeigt sie, wie konsequent Andrea Damp grundlegende Fragen ihrer Malerei weiterverfolgt.
Wie lange kann ein Bild offenbleiben? Wann verdichtet sich Farbe zu Raum, Landschaft oder Figur? Und wie verändert Erinnerung das, was wir zu erkennen glauben?
Andrea Damp GLIMMER: Zwei Werkphasen im Dialog
In den älteren Arbeiten verbinden sich vegetabile Formen, Körperfragmente, Tiere und räumliche Andeutungen zu einem dichten malerischen Gefüge. Die neuen Gemälde greifen diese Spannung zwischen Figuration und freier Form erneut auf, verschieben jedoch deren Gewichtung. Andrea Damp setzt erzählerische Hinweise sparsamer ein.
Dabei gewinnen Farbe, Oberfläche, Rhythmus und räumliche Bewegung an Eigenständigkeit. Dadurch wirken die Werke zugleich präzise und schwer festzulegen. Etwas erscheint, bleibt für einen Moment sichtbar und entzieht sich wieder einer eindeutigen Benennung.
Malerei als offener Prozess
„Die Räume, das Kolorit werden erst möglichst spät geschlossen“, sagt Andrea Damp über ihre Arbeitsweise.
Am Beginn steht keine festgelegte Geschichte, die anschließend illustriert wird. Andrea Damp entwickelt ihre Bilder in einem offenen Prozess aus Farbe, Linie, Fläche, Struktur und Kontrast. Flüssige und transparente Farbschichten treffen auf dichtere Partien. Dabei überarbeitet, verdeckt oder legt die Künstlerin Formen erneut frei.
Erst während des Malens entscheidet sich, welche Elemente Bestand haben. Ebenso bleibt lange offen, ob sich aus ihnen eine Landschaft, eine Figur oder eine mögliche Szene entwickelt. Figuration und Abstraktion bilden deshalb keine Gegensätze. Vielmehr gehören sie zu demselben Verfahren der Bildfindung.
Ausgewählte Werke der Ausstellung
Das großformatige Gemälde „Das große Welttheater“ von 2015 führt dieses Prinzip in besonderer Dichte vor. Vegetabile Strukturen, Körperfragmente, lineare Bewegungen und farbige Felder überlagern sich in einer Komposition ohne ruhenden Mittelpunkt. Der kulturgeschichtlich aufgeladene Titel erinnert an die Vorstellung der Welt als Bühne.
Andrea Damp entwirft jedoch kein geordnetes Schauspiel mit klar verteilten Rollen. Ihr Welttheater erscheint als kaum überschaubare Gleichzeitigkeit, in der Natur, Körper, Raum und Malerei immer neue Beziehungen eingehen.
Mit „Wie die Erinnerung es will“ von 2026 richtet sich der Blick auf einen Seerosenteich. Das Motiv bleibt erkennbar, fügt sich aber nicht zu einer konventionellen Landschaft. Blätter und Blüten liegen auf einer dunklen Wasserfläche. Gleichzeitig lassen sich schwarze, gelb konturierte Formen als Ufer, Spiegelung oder sich auflösende Vegetation lesen. Nähe und Ferne greifen dabei ineinander.
Erinnerung erscheint hier nicht als verlässliche Aufbewahrung eines vergangenen Anblicks. Stattdessen wird sie zu einer schöpferischen Kraft, die auswählt, verstärkt, auslässt und neu zusammensetzt.
Auch die kleinen Formate verdichten dieses Wechselspiel. In „Poker Face“ tritt eine maskenhafte Figur aus einem dunklen Farbraum hervor, ohne ihre Haltung preiszugeben. „The Lucky Ones“ zeigt zwei pilzartige Gestalten, die zugleich komisch, verletzlich und beharrlich wirken. Beide Werke eröffnen mögliche Geschichten, verweigern jedoch deren Auflösung. Gerade dadurch behalten ihre Motive einen Überschuss, der sich nicht in einer eindeutigen Lesart erschöpft.
Glimmer zwischen Material und Empfindung
Der Titel der Ausstellung Andrea Damp GLIMMER verbindet die materielle und die emotionale Erfahrung der gezeigten Werke. Glimmer bezeichnet eine Gruppe von Mineralen, die aus feinen, übereinanderliegenden Schichten bestehen. Je nach Lichteinfall verändern ihre Oberflächen ihre Erscheinung.
Auch Andrea Damps Gemälde entstehen durch Schichtungen, Übermalungen, Durchbrechungen und Freilegungen. Zugleich bezeichnet das englische Wort „glimmer“ kleine Augenblicke, die unerwartet Freude, Ruhe oder Sicherheit auslösen können.
In Damps Malerei erscheinen solche Momente nicht als ungetrübte Idylle. Vielmehr leuchten sie als kurze Lichtpunkte in komplexen und mitunter dunklen Bildwelten auf: in einer Blüte, einer eigentümlichen Figur, einem überraschenden Farbklang oder in jener schwer erklärbaren Vertrautheit, die ein Bild plötzlich hervorrufen kann.
Andrea Damp: Biografie und Sammlungen
Andrea Damp wurde 1977 in Bergen auf Rügen geboren. Zunächst studierte sie Philosophie und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Anschließend wechselte sie an die Universität der Künste Berlin und studierte dort Freie Kunst bei Hans Jürgen Diehl. Im Jahr 2005 schloss sie ihr Studium als Meisterschülerin ab.
Zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen würdigen ihr Werk. Von 2014 bis 2017 lehrte sie Malerei an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Darüber hinaus zeigte Andrea Damp ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und international sowie auf zahlreichen Kunstmessen.
Werke der Künstlerin befinden sich unter anderem in der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages, im Willy Brandt Haus, im Museum für Aktuelle Kunst, Sammlung Hurrle, und im Museumsberg Flensburg.
Kontinuität und Erneuerung
Die älteren und die neuen Bilder erklären einander nicht. Stattdessen verändern sie den Blick aufeinander. Zwischen ihnen entsteht ein Raum, in dem sich Kontinuität und Erneuerung, Erinnerung und Gegenwart sowie Figuration und freie malerische Form begegnen.