janinebeangallery präsentiert Marie Louise Elshout
11. bis 13. September 2026
Codrico Fabriek, Rotterdam, Niederlande
Vom 11. bis 13. September 2026 findet BIG ART erstmals in Rotterdam statt. Für ihre zwölfte Ausgabe zieht die Pop-up-Ausstellung in die historische Codrico Fabriek auf Katendrecht. Mehr als 100 großformatige Arbeiten aus Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie, Lichtkunst, Video und Installation treten dort in einen unmittelbaren Dialog mit der rauen Industriearchitektur des ehemaligen Fabrikgeländes.
Die janinebeangallery präsentiert bei BIG ART die niederländische Künstlerin Marie Louise Elshout mit ihrem mehrteiligen Werk Hunters at Dawn.
Marie Louise Elshout · Hunters at Dawn ·
Big Art Gebäude 3 · Sektion B · No. 3.25

Hunters at Dawn entfaltet sich über vier Leinwände an einer Schwelle zwischen Nacht und Tag, Traum und Wirklichkeit. Ein heller Birkenwald bildet den Schauplatz. Türkis, intensive Grüntöne und ein fast künstlich wirkendes Neonpink lösen die Landschaft aus einer rein naturalistischen Wahrnehmung und versetzen sie in einen Zustand zwischen Vertrautheit und Irritation.
Im Zentrum stehen zwei Mädchen mit Hasenmasken. Ihre weißen Kleider und die Tiermasken verleihen ihnen zunächst etwas Märchenhaftes, beinahe Spielerisches. Erst bei längerem Hinsehen wird ein kleiner Hase sichtbar, der an einer Schnur hängt. Mit diesem Detail verändert sich die psychologische Temperatur des Bildes. Unter der leuchtenden Oberfläche treten Verletzlichkeit, Kontrolle und Gewalt hervor.
Gerade diese Verschiebung ist charakteristisch für Marie Louise Elshouts Bildwelt. Märchen, Mythologie, Folklore und Aberglaube dienen ihr als kulturelle Erinnerungsspeicher: vertraute Bilder, in denen über Generationen Erfahrungen von Angst, Macht, Verwandlung, Fürsorge und Bedrohung weitergegeben wurden. In Hunters at Dawn erscheinen diese Motive in einer gegenwärtigen Bildsprache, deren Bedeutung bewusst in Bewegung bleibt.
Die Mädchen mit den Hasenmasken verkörpern dabei eine für Elshouts Werk zentrale Ambivalenz zwischen menschlicher und tierischer Identität. Die Maske verwandelt, schützt und verbirgt zugleich. Sie lässt die Grenze zwischen Mensch und Tier durchlässig werden und öffnet einen Raum, in dem Rollen und Machtverhältnisse weniger eindeutig erscheinen, als es der erste Blick vermuten lässt.
Kunsthistorisch berührt diese Bildwelt eine lange Tradition des Fantastischen und Unheimlichen. Von Hieronymus Bosch und Francisco de Goya über den Symbolismus bis zu Paula Regos psychologisch aufgeladenen Bildräumen dienten Märchen, hybride Wesen und vertraute Erzählmotive immer wieder dazu, menschliche Zustände sichtbar zu machen, für die eine rein realistische Darstellung kaum ausreicht. Elshout greift diese Tradition weder illustrativ noch zitierend auf. Ihre Arbeiten entwickeln daraus eine eigene zeitgenössische Symbolsprache, in der das Märchen als kulturelles Gedächtnis weiterwirkt.
Auch der Wald gewinnt darin eine besondere Funktion. Er ist Schauplatz und psychologischer Raum zugleich. Das beinahe fluoreszierende Pink, das sich über den Waldboden zieht, intensiviert diese Ambivalenz. Für Marie Louise Elshout verweist es auf die künstliche Welt, die der Mensch geschaffen hat. Innerhalb der natürlichen Umgebung wird die Farbe so zum Zeichen einer gegenwärtigen ökologischen Verschiebung: faszinierend in ihrer Leuchtkraft und zugleich irritierend in ihrer Künstlichkeit.
Diese Spannung zwischen Natur und menschlichem Eingriff setzt sich bereits materiell im Werk fort. Bleistift und Kohle treffen auf Acryl und Öl; reale Blätter werden Bestandteil der Bildoberfläche. Zeichnung und Malerei bleiben sichtbar miteinander verschränkt. Die Natur erscheint damit zugleich als Bildmotiv und als tatsächliches Material.
Aus der Distanz entfaltet sich Hunters at Dawn als rund 4,5 Meter breite Waldlandschaft. Aus der Nähe lösen sich ihre Motive in Linien, Farbschichten, Spuren und Details auf. Diese unterschiedliche Wahrnehmung gehört wesentlich zum Werk: Bedeutung entsteht allmählich und verändert sich mit der Dauer des Sehens.
So bewahrt Hunters at Dawn jene Offenheit, die Marie Louise Elshouts Arbeiten auszeichnet. Schönheit und Unbehagen, Vertrautheit und Fremdheit, Natur und Künstlichkeit bleiben miteinander verbunden. Das Bild bietet keine abschließende Auflösung. Es führt vielmehr in eine Zone, in der das Märchenhafte seine alte psychologische Kraft behält und zugleich sehr gegenwärtige Fragen nach unserem Verhältnis zur Natur, zu Macht und Verletzlichkeit berührt.
Besucherinformationen
BIG ART Rotterdam
11. bis 13. September 2026
täglich von 11 bis 18 Uhr
Codrico Fabriek
Veerlaan 19
3072 AN Rotterdam
Niederlande

Informationen zum Werk und zu seiner Verfügbarkeit erhalten Sie über die janinebeangallery