Vanitas No. 7 (Tarsier) Vergänglichkeit

Gemälde Vanitas No. 7 (Tarsier) von Marie Louise Elshout: Eine blasse, dunkel gekleidete Frau mit langen grünlichen Haaren, kleiner Totenkopfkette und einem Koboldmaki in den Händen sitzt zwischen zwei kargen Pflanzen vor schwarzem Hintergrund. Das Werk thematisiert Vergänglichkeit, bedrohte Tierarten und die Verletzlichkeit der Natur.

In Vanitas No. 7 (Tarsier) verbindet Marie Louise Elshout die klassische Vanitas-Symbolik mit der gegenwärtigen Bedrohung der Natur. Im Zentrum sitzt eine blasse, zeitenthoben wirkende Figur, deren dunkles Gewand beinahe mit dem schwarzen Bildraum verschmilzt. Die kleine Totenkopfkette auf ihrer Brust ist ein unübersehbares Memento mori: Sie erinnert an die Endlichkeit allen Lebens und an die Vergänglichkeit von Schönheit, Macht und körperlicher Existenz. Unterhalb dieses Symbols hält die Figur einen Koboldmaki, auch Tarsier genannt, schützend in ihren Händen. Das kleine nachtaktive Tier mit seinen außergewöhnlich großen Augen bildet das eigentliche emotionale Zentrum des Gemäldes. Sein wacher, beinahe menschlich erscheinender Blick richtet sich unmittelbar an die Betrachtenden und macht es vom bloßen Attribut zu einem stillen Gegenüber.

Koboldmakis leben ausschließlich in Südostasien und sind eng an tropische Waldlandschaften gebunden. Mehrere Arten gelten aufgrund von Abholzung, der Umwandlung von Waldflächen in Plantagen und des illegalen Tierhandels als gefährdet oder stark gefährdet. Im Bild steht der Tarsier daher nicht allein für ein einzelnes Tier, sondern für die Verletzlichkeit ganzer Lebensräume und für Arten, deren Zukunft durch menschliches Handeln unsicher geworden ist. Die beiden dünnen, nahezu entlaubten Pflanzen verstärken diesen Eindruck. Die grünlich schimmernden Haare der Figur erinnern zugleich an Moos, Pflanzenfasern oder herabhängende Lianen, sodass Mensch und Natur optisch miteinander verwoben werden. Während der Totenkopf die Sterblichkeit des Menschen bezeichnet, erweitert der Koboldmaki die Vanitas-Idee auf die nichtmenschliche Welt. Das Gemälde fragt damit nicht nur, was vom einzelnen Leben bleibt, sondern auch, welche Tiere, Wälder und Erinnerungen an die Natur wir zukünftigen Generationen hinterlassen. Der eindringliche Blick des Tarsiers macht die Betrachtenden schließlich selbst zu Beteiligten: Wir sehen seine Verletzlichkeit und können uns der Verantwortung für sein mögliches Verschwinden nicht entziehen.