Künstlerischer Ansatz
Armando Mariños künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Malerei, Zeichnung, Skulptur und Installation. Im Zentrum steht die Frage, wie Bilder politische Wirklichkeit, persönliche Erinnerung und kulturelle Erfahrung zugleich sichtbar machen können. Seine Arbeiten entstehen aus einem umfangreichen visuellen Archiv, das sich aus Pressefotografien, digitalen Fundstücken, kunsthistorischen Referenzen und eigenen Beobachtungen zusammensetzt. Dieses Material wird verändert, neu kombiniert und in komplexe Bildräume überführt.
Charakteristisch für Mariños Malerei ist das Spannungsverhältnis zwischen Schönheit und Unruhe. Leuchtende Farben, fließende Übergänge und eine häufig beinahe traumhafte Atmosphäre treffen auf Motive, die von Migration, Gewalt, gesellschaftlicher Instabilität und kultureller Entwurzelung geprägt sind. Die ästhetische Anziehungskraft seiner Bilder steht damit nie für sich allein. Sie führt vielmehr in Situationen, die widersprüchlich, fragil und oft nicht eindeutig lesbar bleiben.
In früheren Werkgruppen griff Mariño wiederholt auf mediale Bilder politischer Proteste und gesellschaftlicher Konflikte zurück. Dabei ging es ihm nicht um deren dokumentarische Wiedergabe. Er untersuchte vielmehr, wie solche Bilder zirkulieren, wie sie sich in das kollektive Gedächtnis einschreiben und wie Malerei ihre emotionale und politische Wirkung verändern kann. Figuration und Abstraktion greifen dabei eng ineinander. Körper, Landschaften und architektonische Fragmente erscheinen zugleich erkennbar und instabil, als könnten sie sich jederzeit auflösen oder in etwas anderes verwandeln.
In seinen jüngeren Arbeiten treten Landschaften, Interieurs und psychologisch aufgeladene Räume stärker in den Vordergrund. Sie wirken vertraut und fremd zugleich. Oft bleibt offen, ob es sich um reale Orte, Erinnerungsräume oder imaginierte Schauplätze handelt. Figuren erscheinen vereinzelt oder vollständig abwesend, während Räume selbst zu Trägern von Geschichte und innerer Spannung werden.
Mariños eigene Erfahrung zwischen Kuba, Europa und den Vereinigten Staaten bildet dabei einen wichtigen Hintergrund, ohne dass seine Werke autobiografisch festgelegt wären. Migration erscheint in seinem Werk nicht nur als geografische Bewegung, sondern als Zustand kultureller Verschiebung. Identität wird nicht als etwas Stabiles verstanden, sondern als ein Prozess, der von Erinnerung, Geschichte, gesellschaftlichen Zuschreibungen und wechselnden Lebensorten