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Arny Schmit

Arny Schmit

„Der Geschmack von Schnee“

23. Februar – 13. April 2019

Vernissage am 22. Februar 18 – 21 Uhr

Die jüngsten Werke des luxemburgischen Künstlers Arny Schmit geben Einblick in wilde, monochrome Naturlandschaften, mit einzelnen, überwucherten Hinterlassenschaften der Zivilisation, wie zum Beispiel Brücken oder Holzhütten. Dunkler Wald und Pflanzenwuchs überragen die wenigen Silhouetten von Himmel und dominieren die Bildflächen. In einigen dieser Szenerien einer überbordenden Flora sind Porträts junger Frauen eingefügt, die nicht nur die Landschaft sondern auch das Genre unterbrechen, indem sie wie ausgeschnittene Büsten und mit abgesetzten Hintergründen wie Bilder in Bildern wirken. Dennoch gehen auch die Bildränder dieser Versatzstücke in in die wuchernde Pflanzenwelt im Hintergrund über, ihre schützenden Kanten befinden sich insofern quasi in Auflösung. Die abgebildeten Frauen sind entweder dem Betrachter abgewandt klassisch im verloren Profil oder von hinten zu sehen oder ihre Gesichter sind verdeckt. Nicht nur stehen diese Personen also kurz vor der Einnahme durch die wilde und raue, umschließende Natur, außerdem sind ihnen nur eingeschränkt individuelle, physiognomische Merkmale verliehen. Sie gleichen eher dem Schema einer Weiblichkeit, die wie im klassischen Mythos sich mit Flora und Fauna identifiziert, buchstäblich zu Natur wird und dies eher tragisch-schicksalhaft als willentlich.
Der Wildwuchs der Pflanzen und Bäume  in den Gemälden Arny Schmits nimmt mithin das komplette Bild ein, er wirkt chaotisch und übermächtig, geht in Randbereichen konsequent in abstrakte Strukturen über, die sich wiederum als die Archetypen der ornamentalen Strukturen (z. B. Tapetenmuster) in vorangegangenen Werken Schmits herausstellen. Die wenigen architektonischen Überbleibsel menschlichen Schaffens sind nurmehr undeutlich zu erfassen und fast schon Teil der sie umgebenden organischen Matrix. Hierin zeigt auch diese Matrix wie bei den Frauenporträts und den natürlichen Ornamenten eine starke Verbindung sowie die Übergänge von Mensch und Natur, ebenso wie in dem grundsätzlichen magischen Assoziationsreichtum in den wilden Naturschauplätzen Arny Schmits. Wenn auf diese Weise fast zwangsläufig aus amorphen Strukturen Gestalten entstehen, drückt auch das Chaos inhärente Ordnung aus. Allein schon damit ist Arny Schmit ein bildgewaltiger, komplexer Nachweis gelungen.

Text von Matthias Bergemann