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Sebastian Mögelin | „ERZKRACKDUSEL“

Sebastian Mögelin

„ERZKRACKDUSEL“ (Unterm Teppich liegt noch Schmutz)

Mixed Media Collagen und Installation

2. November – 30. November

Vernissage am 1. November 18 – 21 Uhr

eine Preview der präsentierten Werke finden Sie unten: eine komplette Liste der Ausstellungswerke ist nach dem 2. November online

Sebastian Mögelins neue Serie von Werken wird begleitet von einer Installation bestehend aus einer Assemblage von Fundstücken aus sogenannten Messi-Haushalten. Analog zu seinen zweidimensionalen Arbeiten und ähnlich einem archäologischen Horizont der Wohlstandsgesellschaft verdinglicht er hier seine Gegenüberstellung von Ordnung und Chaos. So wie Mögelin technisch und inhaltlich mit Collage und Décollage verfährt, versinnbildlicht er einen wiederkehrenden Wechsel von Unordnung und Anordnung.  Das entspricht den Halden an Produkten und medialen Informationen, die wir indifferent anhäufen, deren Bedeutung ob ihrer schieren Menge immer abstrakter und undeutlicher wird und deren Andrang wir mit Gleichgültigkeit und Verwirrung quittieren. Mögelins strukturiertes Chaos reflektiert den Aufwand, sich der steigenden Entropie von Industrie- und Medienwelt entgegenzustellen, um nicht einem matten Bann von Unentschiedenheit anheimzufallen.

  Der Berliner Künstler Sebastian Mögelin collagiert Ausschnitte aus Medien und Gesellschaft mit Porträts von einzelnen tragischen Individuen. In Kombination entstehen skurrile und bittere Szenen und Geschichten aus Pseudo-Glamour und Berliner Lebewelt.

  Mögelin verwendet Versatzstücke malerischer Techniken, die infolge die Komposition stützen bzw. verstärken. Das Ergebnis sind Collagen in einer Mixed Media Technik auf Leinwand und bedrucktem Plexiglas.

  Die mehrlagige Technik Mögelins erweitert das zweidimensionale Bild um eine transparente Vielschichtigkeit, die sowohl Dynamik als auch Gleichzeitigkeit ausdrückt und verbindet. Durch den Wechsel der Perspektive sieht der Betrachter ein bewegtes und verändertes Bild. Dabei handelt es sich nicht um ein Trompe-l’œil wie beispielsweise im Gemälde „Die Gesandten“ von Hans Holbein d. J. – wenngleich sich dieses auch durch den Wechsel des Blickwinkels erschließt -, sondern um eine tatsächliche Neukonstellation der Bildstruktur.

  Die Wiederholung von Motiven auf den Ebenen der Leinwand und des darüber angeordneten Acrylglases veranschaulicht das Auffächern von Phänomenen und Charakteren, also die Ambivalenz des gleichen Motivs. Der ungewöhnliche Effekt der Tiefe ist dadurch nicht nur räumlicher sondern auch inhaltlicher Art.

  Mögelins Werke sind auch als Spiegel der Medien zu erkennen und gerade die collagierten Textelemente scheinen vorrangig der Werbung oder Boulevardpresse entnommen zu sein. In Verknüpfung mit seiner Bildsprache entlarvt der Künstler die Mantras und Klischees dieser allgegenwärtigen Informationsquellen, er scheut dabei nicht die Zitate von Plattitüden oder gar vulgären Sprachhülsen.  Das deckt sich mit der scheinbaren Alltäglichkeit seiner urbanen Anekdoten in Bildern, die aber eine Abgründigkeit und Dramatik in den vermeintlichen Banalitäten birgt und dem großen Weltgeschehen die Vorlagen liefert. Der soziale Rand bzw. Boden als Quelle stehen in diesem Sinne für Authentizität und Wiedererkennbarkeit.

Text: Matthias Bergemann