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Anna Borowy

Anna Borowy  „Ich sehe was, das du nicht siehst“

Malerei

7. Dezember 2019 – 8. Februar 2020

Vernissage am 6. Dezember 18 – 21 Uhr

Anna Borowy, geboren 1985 in Uelzen, studierte Malerei an der Kunsthochschule Weissensee bei Professor Werner Liebmann. Von der janinebeangallery wird sie seit 2009 vertreten, ihre Werke wurden seither national und international ausgestellt.

Anna Borowys Motive sind vorwiegend menschliche Typen und Momente, porträtartig dargestellt, die konzentriert von einem Geschehen zeugen. Die Auflösung von Konturen und Flächen verbindet die Figuren mit den Hintergründen sowie diaphanen Begleitbildern von Tieren. Die offenkundige Jugend und die Anmut der Porträtierten werden gekontert von brüchigen Strukturen und obskuren Zügen.

Technisch auffallend ist der leichte, silhouettenartige Auftrag von Farbe. Obwohl „aquarellig“ wirkend kommen doch Ölfarben zur Anwendung, deren spezielle Konsistenz jedoch das Verdünnen mit Wasser zulassen. Die Grundierung der Bilder wird oft nicht restlos ausgemalt, sondern fungiert auch als durchgängiger heller Hintergrund, auf dem die Farben sorgfältig angeordnet werden. Dadurch erscheinen die Gestalten der Bilder mithin überlichtet, was mit der Überschneidung mehrerer durchsichtiger Bildelemente korrespondiert.

Weil eine solche An- oder „Durchsicht“ normalerweise nur durch den Wechsel der Perspektive des Betrachters vor einem plastischen Objekt erfolgen kann, ist der Effekt auf Anna Borowys Bildern folglich eine besondere Dynamik. So realisieren ihre Werke nicht nur eine räumliche, sondern auch eine zeitliche Perspektive.

Durch die maßvolle Verwendung von Farbe bleibt die Grundierung als Hintergrundstruktur wie ein inhaltliches Raster erhalten und sorgt einerseits für Leichtigkeit, andererseits für einen elementaren Ausdruck von Leere. Deren Hervorhebung gewährleistet wiederum die gekonnte Gewichtung der in Erscheinung tretenden Motive und Formen.

Wiederholt gruppiert Anna Borowy Tiere zu den menschlichen Protagonisten auf ihren Bildern. Der Ausdruck dieser Fauna reicht von symbolischer Deutigkeit bis zu alltäglicher Gestik, aber so oder so ist die Verwandtschaft zum Menschen sehr nah oder innewohnend. Menschen und Tiere stehen sich nicht gegenüber, sondern sind sich reziproke Sinnbilder und Mimikry, ohne dass ihre Identitäten jedoch ovidianisch miteinander verschmelzen.

Anna Borowys Werke schaffen es, echte prozesshafte Schönheit zu generieren und vermögen aus dieser Konstituente jedwede weitere lebendige oder tote Facette abzuleiten.

Matthias Bergemann