
Max Giermann
„Figuring Out“
17. April – 13. Juni 2026
Vernissage am 17. April, 18 – 21 Uhr
Max Giermann ist einem breiten Publikum als Schauspieler bekannt. Über viele Jahre hinweg prägte er mit seinen Rollen Fernsehen, Bühne und Film. Parallel zu dieser öffentlichen Karriere entwickelte sich eine eigenständige künstlerische Praxis: die Malerei.
Diese Praxis ist kein neues Experiment, sondern begleitet Giermann seit früher Kindheit als kontinuierliche Form des Ausdrucks. Seit 2024 stellt Max Giermann seine Malerei öffentlich aus:
Nach einer Einzelausstellung im Kunstverein Ulm e.V., folgte 2025 eine Einzelausstellung in der Galerie Holger John in Dresden.
Aufbauend darauf führt die Ausstellung „Figuring Out“ (17. April – 13. Juni 2026) sein bildnerisches Schaffen erstmals in der janinebeangallery in Berlin zusammen und markiert den nächsten konsequenten Schritt in die Präsentation seines künstlerischen Werks.
Giermanns Malerei entsteht aus einem bildnerischen Prozess, der zeitlich weit vor seiner Bekanntheit als Schauspieler ansetzt und bewusst unabhängig von eindeutigen Zuschreibungen bleibt.
Zwar ist sein Name aus einem anderen Kontext vertraut, doch die Gemälde folgen einer eigenen inneren Logik und behaupten sich jenseits biografischer Lesarten.
Zeichnen und bildnerisches Arbeiten waren für Max Giermann (geb. 1975) bereits in Kindheit und Jugend zentrale Ausdrucksformen. Früh entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse an Figuren,Körpern und Gesichtern – weniger im Sinne eines Abbilds als vielmehr als Mittel zur Manifestation innerer Zustände.
Auch wenn die Malerei für ihn heute einen neuen Schwerpunkt markiert, ist ihm der bildnerische Schaffensprozess als solcher seit jeher vertraut.
Parallel zu anderen künstlerischen Ausdrucksformen blieb die Malerei über die Jahre hinweg eine konstante, persönliche Schaffenssphäre. Die langjährige Unabhängigkeit von institutionellen Erwartungen und marktbezogenen Vorgaben prägte den offenen, freien Charakter seiner Werke.
In den ausgestellten Gemälden verdichtet sich diese Haltung zu einer Malerei, die sich nicht über Wiedererkennbarkeit oder erzählerische Eindeutigkeit definiert. Die Bilder zeigen Figuren, Köpfe und Körperfragmente, ohne sich auf klassische Porträtdarstellungen oder einfache psychologische Zuschreibungen festzulegen. Entscheidend ist der Moment der Setzung als das Auftauchen einer Figur im Bild, die sich im Prozess formt und zugleich offen bleibt.
Die Arbeiten entstehen direkt und prozesshaft, mit sichtbaren Übermalungen, Brüchen und Korrekturen. Linien werden gesetzt und neu geführt, Farbflächen überschreiben einander, Konturen bleiben bewusst in Bewegung.
Die Acrylfarbe wird nicht bloß glatt aufgetragen, sondern körperlich eingesetzt: gestrichen, gezogen, verschmiert, teilweise tropfend.
Ein wiederkehrender Schwerpunkt liegt auf dem Gesicht. Augen erscheinen übergroß oder asymmetrisch, Münder leicht verschoben, Köpfe frontal oder minimal gekippt in den Bildraum gesetzt. Der Hintergrund fungiert dabei weniger als klassischer Raum denn als spannungsvolle Fläche, die Figur und Bildträger miteinander verbindet.
Charakteristisch für Giermanns Malerei ist die Balance zwischen Kontrolle und Offenheit.
Kunsthistorische Referenzen von expressionistischen Positionen bis zur gestischen Malerei des 20. Jahrhunderts sind spürbar, werden jedoch nicht zitiert, sondern durch einen persönlichen Duktus weitergeführt. Oder wie Giermann es formuliert:
„Die Kunstgeschichte ist wie ein Requisitenfundus, aus dem man sich angstfrei und spielerisch bedienen darf.“
Im Zentrum dieser Arbeiten steht zunehmend die Frage nach Identität. Weniger als festes Narrativ, sondern als offener Zustand: Identität erscheint bei Giermann als etwas, das sich im malerischen Prozess formt, infrage stellt und wieder auflöst. Die Bilder behaupten keine eindeutigen Rollen, keine Masken und keine abgeschlossenen Figuren. Vielmehr sind sie Verdichtungen eines Zustands, in dem Wahrnehmung, Projektion und malerische Entscheidung ineinandergreifen.
Die Malerei wird so zu einem Ort der Erfahrung, an dem Bildfindung nicht Illustration ist, sondern ein offener Prozess. Die Gemälde und Papierarbeiten sind keine Kommentare, sondern autonome Setzungen und damit eigenständig, widersprüchlich und bewusst offen für unterschiedliche Lesarten.