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Haltung

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Dominik Butzmann

„Haltung“

-Politische Fotografie –

19. Januar – 16. Februar 2019

Vernissage am 18. Januar 18 – 21 Uhr

„Mit der scheinbar unaufhaltsamen Gegenwart von Hass und Gewalt in einer nervösen Öffentlichkeit sind viele unserer Gewissheiten am Ende.

Ich glaube, dass die professionellen Fotografen unserer Zeit eine Haltung einnehmen müssen. Niemand kann es sich noch leisten, unpolitisch zu sein. Wir sollten den Prozess zeigen, der hinter unserer Arbeit steckt, das ganze Bild.

Wir sollten gedanklich oder perspektivisch einen Schritt zurück treten.

Wir müssen eingreifen, entscheiden, etwas verlangen. Wir müssen mutig genug sein, die Tatsachen zu zeigen und ebenso die Schwierigkeit dabei, eine Tatsache von einer Lüge zu unterscheiden. Was ist eine Haltung und was ist eine Pose?

In meinen Fotografien ist die körperliche Präsenz der Portraitierten, ihre physische Haltung von großer Bedeutung und das ist nicht zufällig so. Neben einer gezielten und überlegten Lichtführung ist es gerade diese Position der Personen im Raum, die ich gestalte. Dabei gehe ich nicht zu offensiv vor – ich lasse den Menschen im Grunde erst einmal viel Raum, lasse den Dingen ihren Lauf. Ich versuche ruhig und bedacht, eine Atmosphäre von Vertrauen entstehen zu lassen.

Da ist Helmut Schmidt, der sich trotz seines hohen Alters mit allen Mitteln gegen das Fotografieren sträubt und flucht, dann aber konzentriert und unendlich ruhig und klar in die Kamera schaut.

Da sind die ganz und gar in sich ruhenden Weinköniginnen in Haßloch, Rheinland-Pfalz.

Da ist Emmanuel Macron, der für einen winzigen Moment für die Kamera da ist, diesen winzigen Moment aber dazu nutzt, im Spiegel des UV-Filters auf dem Objektiv seine Krawatte zu richten.

Da ist die ethiopische Frau im Bus am Hauptbahnhof in München, die wie ein Denkmal für Verlorenheit und Müdigkeit wirkt.

Da ist Angela Merkel, die noch niemals zuvor im Profil fotografiert wurde. Nachdem alle Berater und Strategen aus dem Studio geschickt waren, entsteht ein lockeres, vertrauensvolles Gespräch. Es wird experimentiert und gelacht. Und es entsteht ein Portrait im Profil, bei dem ihre ganze persönliche Stärke, ihre Ruhe und gleichzeitig ihr Humor zu sehen ist.

Da ist Robert Habeck, der sich von nichts und niemandem davon abbringen lässt zuzuhören.

Da ist Markus Söder, der sich in einem ständig angespannten System von Kontrolle und Feedback durch seine Sprecherin bewegt. Und da ist Martin Schulz, der von seinen Mitarbeitern erdrückt wird, richtiggehend verschwindet.

Mit diesen Beispielen will ich zeigen, dass ich intuitiv und gleichzeitig sehr bewusst arbeite. Ich bin mir über die Wirkung der Bilder im Klaren. Ich weiß, dass Fotografen eine gewisse Macht besitzen, weil sie Kategorien definieren können. Wie stark sieht „stark“ aus? Wie verletzlich sieht „verletzlich“ aus? Zeigt man die Künstlichkeit einer Situation? Lässt man Fehler, Störungen, Besonderheiten zu?

Am ehesten aber kann ein gutes Portrait entstehen, wenn es einen Moment der Echtheit gibt. Dieser lässt sich letztlich durch nichts besser zeigen, als durch einen klaren, unverstellten Blick und er lässt sich auch nur durch klare, unverstellte Kommunikation durch den Fotografen erreichen.“

– Dominik Butzmann –

Dominik Butzmann begleitet seit über 20 Jahren das Entstehen der „Berliner Republik“ mit seinen Bildern. Zu seinen Auftraggebern gehören neben nationalen und internationalen Magazinen und Zeitungen (DER SPIEGEL, Die Zeit, TIME, SZ Magazin) auch Parteien, Ministerien und Verbände.

Für Angela Merkel fotografierte er die Bundestagswahlkampagne 2013, Joachim Gauck beauftragte ihn wie viele andere Autoren in Deutschland für ein Buchcover.

Er arbeitet unabhängig und selbständig.

Er lebt mit seiner Frau und drei Söhnen in Berlin.