Inna Artemova

Die Künstlerin verschränkt in ihren Gemälden gekonnt organisch Elemente von Bauten mit den auffallend sorglosen Akteuren alltäglicher Szenerien aus vergangener Zeit. Ihre Gebäude gehen teilweise über in rein geometrische Figuren und mitunter wirken sie gleichzeitig wie im Bau befindlich und ruinenartig – was die darin handelnden Protagonisten, bzw. deren Gelassenheit nicht zu tangieren scheint. Der Stille und dem Ernst der Architektur entgegnet die Darstellung dieser Protagonisten aber nicht nur mit unbeschwerter Agilität sondern auch mit Humor. Wir sehen traumartige Collagen, die vormals getrennte Raum- und Zeitabschnitte zu einem neuen Gesamtbild und Sinn konfigurieren. Dabei mutet die unwirkliche Konstellation der Bildelemente trotz offensichtlicher rationaler Gegensätze erstaunlich erzählerisch stimmig an und entspricht einer natürlichen Wahrnehmung der Künstlerin. Gemäß eines solchen subjektiven Sichtfelds lösen sich Farben und Formen der Bilder an den Rändern regelmäßig zu homogenen Flächen auf, ähnlich dem besagten Zerfall oder Aufbau der Struktur der Bauten innerhalb der Bilder. Die Motive der Gemälde wirken dadurch freigelegt fast wie ein Rubbelbild oder – weniger profan ausgedrückt – wie ein zweidimensionales Äquivalent von Michelangelos Vorstellung von der Befreiung der Idee aus dem Material.