LOCKDOWNBEATS | Eine fotografische Spurensuche in den Herzkammern des Berliner Nachtlebens

Mit den Werken der Ausstellung „Lockdownbeats“ richtet der Berliner Fotograf Carsten Schulz den Blick auf eine Phase der Zäsur: das plötzliche Verstummen einer Stadt, deren Nachtleben sonst ununterbrochen pulsierte. Ausgehend von den während der Pandemie verwaisten Clubs entstanden Fotografien, die weit über eine reine Dokumentation hinausreichen.

Schulz verwandelt Orte des wilden Feierns und kollektiven Erlebens in stille Bildräume. Er verdichtet sie atmosphärisch und formal klar, assoziierend die Ästhetik sogenannter Lost Places. Hinzu kommen die Porträts der zu dieser Zeit quasi zwangsbeurlaubten Zeremonienmeister dieser Orte: ihre Resident-DJs, in ihren gewohnten Habitats doch gänzlich ohne das belebende Publikum.
Was während des Lockdowns als Momentaufnahme begann, entfaltet sich heute als eindringliches Zeitdokument über die Fragilität eines kulturellen Ökosystems. Die Berliner Clubszene, einst Synonym für Freiheit, Exzess und künstlerisches Experiment, ist nicht nur von den Nachwirkungen der Pandemie gezeichnet. Sie gerät außerdem zunehmend unter Druck durch strukturelle
Veränderungen und wirtschaftliche Dynamiken.

Die Gegenwart des Verschwindens

Die aktuelle Situation wirft ein scharfes Licht auf die prekäre Lage der Clubs: steigende Mieten, sinkende Besucherzahlen, wirtschaftlicher Druck und politische Trägheit bedrohen zunehmend ihre Existenz. Medien berichten von einer fortschreitenden Schließungswelle. Analysen sehen fast die Hälfte der Berliner Clubs im Jahr 2025 existenziell gefährdet. Spielstätten wie Watergate, Wilde Renate oder KitKat haben ihre Schließung angekündigt oder kämpfen ums Überleben. Die jüngst erfolgte Anerkennung der Technokultur als immaterielles UNESCO-Kulturerbe würdigt zwar ihre Bedeutung, kann jedoch den Fortbestand dieser Orte nicht garantieren.
In diesem Kontext entfaltet Schulz’ fotografische Arbeit eine besondere, ästhetisch- dokumentarische Dringlichkeit. Seine Bilder eröffnen neben der Schönheit der Leere auch deren Sog und lassen unschöne Möglichkeiten antizipieren. Zeigen seine Fotografien ein besinnliches Interim oder eine Stille, die bleibt?