Nick Zinner | Crowds

12. März – 11. April 2026

Vernissage am 12. März, 18 – 20 Uhr

„Crowds“ – fotografische Arbeiten von Nick Zinner


„To me these older crowd photos especially not only show a moment from a show or concert , but they also show a time before iPhones , they show the fashion and spirit of the early 2000s when people were generally allowed to be less self conscious out at night . They feel innocent and joyous, unselfconscious and full of life.“

Nick Zinner


Mit „Crowds“ präsentiert die janinebeangallery Berlin eine konzentrierte Auswahl fotografischer
Arbeiten von Nick Zinner.

Gezeigt werden ausschließlich Fotografien aus den Jahren 2003 und 2004, einer prägenden Phase sowohl innerhalb von Zinners künstlerischer Entwicklung als auch im Kontext der internationalen Musik- und Clubkultur der frühen 2000er Jahre.

Nick Zinner ist international bekannt als Gitarrist und Songwriter der New Yorker Band Yeah Yeah
Yeahs. Seit der Gründung der Band im Jahr 2000 prägt er deren charakteristischen Sound maßgeblich mit präzisem, oft kantigem Gitarrenspiel, das zwischen Post-Punk-Energie, Noise- Elementen und melodischer Zurückhaltung oszilliert. Gemeinsam mit Sängerin Karen O und Schlagzeuger Brian Chase entwickelte Zinner eine musikalische Sprache, die den internationalen Durchbruch der Band in den frühen 2000er Jahren entscheidend mitbestimmte.

Die Yeah Yeah Yeahs zählen zu den zentralen Protagonisten der New Yorker Indie-Rock-Szene jener
Zeit. Mit dem Debütalbum Fever to Tell (2003) und Songs wie Maps wurde die Band weltweit bekannt.
Ihre Konzerte waren geprägt von intensiver physischer Präsenz, unmittelbarer Publikumsnähe und
einer emotionalen Direktheit, die das Lebensgefühl einer Generation widerspiegelte.

Die Fotografien der Serie Crowds entstanden während der Tourneen mit den Yeah Yeah Yeahs.
Zinner fotografierte konsequent von der Bühne aus, stets während der Performance des Songs Maps. Der Song fungierte dabei als wiederkehrender zeitlicher und emotionaler Bezugspunkt innerhalb der Konzerte. In seiner reduzierten, melancholischen Struktur thematisiert Maps Nähe, Bindung und Verletzlichkeit und bildet damit einen inhaltlichen Resonanzraum für die fotografierten Publikumsreaktionen.

Konzert als soziale Situation
Die frühen 2000er Jahre lassen sich besonders für die Yeah Yeah Yeahs als eine Phase hoher physischer und sozialer Präsenz im Konzertkontext beschreiben. Konzerte fungierten als Orte unmittelbarer Begegnung, geprägt von Nähe zwischen Bühne und Publikum sowie von einer gemeinsamen, kollektiven Aufmerksamkeit. Die Gesichter, Blicke und Gesten auf den Fotos von Nick
Zinner bildeten zentrale Elemente des Erlebens und strukturierten eine Situation, die wesentlich durch den geteilten Moment bestimmt war.
Für die Betrachtenden eröffnet sich dabei eine besondere Perspektive. Durch den Aufnahmeort auf der Bühne nehmen sie faktisch die Position des Musikers ein. Der Blick richtet sich frontal auf das Publikum, auf Reaktionen und individuelle Präsenz.

Diese Perspektivverschiebung ermöglicht eine unmittelbare Auseinandersetzung mit Nähe und kollektiver Wahrnehmung im Live-Kontext. Zugleich entsteht eine zeitliche Verschiebung. Die Fotografien eröffnen einen direkten Zugang zu den Jahren 2003 und 2004 und machen eine konkrete historische Situation erfahrbar.

Die Arbeiten fungieren damit auch als visuelle Zeitdokumente, die ein spezifisches kulturelles und soziales Umfeld dieser Jahre nachvollziehbar werden lassen.
Alle Fotografien der Serie wurden analog aufgenommen. Zinner arbeitete mit Film und analoger Kamera, was sich in der Bildstruktur, der Lichtführung und der materiellen Präsenz der Arbeiten zeigt. Für diese Ausstellung werden die Fotografien als großformatige Abzüge im Format 100 × 150 cm präsentiert, wodurch die körperliche Wirkung der Bilder zusätzlich verstärkt wird.


Nick Zinner studierte Fotografie am Bard College in Annandale-on-Hudson, New York, und setzte sein Studium anschließend in Frankreich fort. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Bard College und dessen Nähe zu zeitgenössischer Kunst, Musik und Theorie prägten Zinners künstlerischen Blick nachhaltig.

Auch heute ist Nick Zinner weiterhin aktiv als Musiker. Die Yeah Yeah Yeahs feierten 2025 ein Jubiläum, das mit einer eigenen Tour begangen wurde. Darüber hinaus ist Zinner seit mehreren Jahren fester Gitarrist in der Live-Band von Iggy Pop. In beiden Kontexten bewegt er sich weiterhin zwischen Bühne, musikalischer Praxis und visueller Beobachtung.